Über mich

Musik hat mich schon fasziniert, solange ich mich erinnern kann, aber es war nicht die Musik, die einem tagtäglich aus dem Radio entgegen schallte und auch nicht die, die sich am Plattenteller meiner Eltern drehte. Also fing ich schon früh an, eigene kleine Melodien vor mich hin zu singen. Auch die Musik, die ich als Zehnjähriger in meinen klassischen Gitarrenstunden zu spielen bekam, konnten mich nicht fesseln. Also fing ich an, eigene kleine Melodien vor mich hin zu spielen.

Was mich immer schon begeistert hat, war selbst Musik zu machen, zu improvisieren. So konnte es also nicht lange dauern, bis ich auf dem Weg über den Blues schließlich beim Jazz gelandet und dort geblieben bin.

Ein sehr früher Einfluß waren auch die großen Komponisten des American Songbook, (Gershwin, Porter, Kern, Schwartz, Berlin etc.) deren Liedern ich zunächst in den Fred Astaire und anderen Musicals begegnete, die manchmal im Fernsehen gezeigt wurden. Fasziniert lauschte ich einer Musik, die so ganz anders, um so vieles wärmer und lebendiger war als die zeitgenössische (70er Jahre) Pop und Schlagermusik.

Zu entdecken, was man mit diesen wundervollen Songs alles machen konnte, wenn man sich ihnen als improvisierender Musiker nähert und sie zu seinen eigenen macht, sollte bald meine musikalische Welt völlig verändern. Am liebsten lauschte ich den Meistern, die einen Song mit großer Hingabe und Liebe spielten und ihn dennoch (oder gerade deswegen?) ganz zu ihrem eigenen machten. Musiker wie Ben Webster, Coleman Hawkins, Oscar Peterson, Stan Getz, um nur ein paar meiner frühen Einflüsse zu nennen.

Immer schon war es mir egal, welches Instrument ein Musiker spielte, wenn er gut war, aber es war das Tenorsaxophon, das es mir in diesen Jahren besonders angetan hatte, spielten doch viele meiner damaligen "Helden" dieses Instrument. So fing ich also auch noch an, dieses Instrument zu erlernen. Auch auf der Gitarre nahm ich nach jahrelangem autodidaktischem Arbeiten wieder Unterricht.

Inzwischen waren meine "kleinen Melodien" längst zu richtigen Kompositionen angewachsen, und im Alter von 18 Jahren nahm ich es in Angriff, ein Musical zu komponieren. Aus dieser frühen Arbeit stammt eine meiner schönsten Kompositionen, das älteste eigene Stück in meinem heutigen Repertoire, "Hymn To The Moon".

Das ist also die musikalische Welt, aus der ich komme, der Traum, den ich in meiner Kindheit geträumt habe und den ich bis heute verfolge. So bin ich also ein Stilist geworden, ein Musiker, der eine Vision hat und dieser folgt.

Was mich hingegen niemals interessiert hat, war eines dieser "Musikalischen Chamäleons" zu werden, ein Begriff, der heute zwar häufig positiv verwendet wird, für mich aber immer einen Beigeschmack von Orientierungslosigkeit und Austauschbarkeit hat. Ein Musiker, der in vielen stilistischen Welten zu hause ist, ist in Wirklichkeit nirgendwo zu hause und wird es schwer haben, wirklich bis zum Kern auch nur einer dieser Welten vorzudringen.

Zum Kern vorzudringen, in die Tiefe zu gehen, sind Motivationen meines künstlerischen Schaffens. So vieles ist noch nicht gesagt worden, so viele Ecken und Winkel sind noch nicht ausgeleuchtet worden. Ein großer Fehler, der heute oft gemacht wird, ist der, eine so zeitlos großartige Musik wie den Jazz der frühen bis in die 60er Jahre als eine Zeiterscheinung abzutun, deren Zeit nun eben vorbei sei. Solche Überlegungen sind vielleicht interessant für die Welt der schnellen Moden. Einen wahren Künstler wird so etwas weniger interessieren, denn er weiß, dass das Kunstwerk, das er gerade schafft genau das ist, was er gerade schaffen muss.

So möchte ich euch hiermit einladen, meine künstlerische Welt zu betreten! Viel Freude dabei wünscht,

THIEMO KIRBERG

Was ist Kunst, welche Rolle spielt sie wirklich in der Gesellschaft?

Einer der größten Fehler, der heute leider schon fast zum Allgemeinplatz geworden ist und kaum mehr hinterfragt wird, ist der, zu behaupten, Kunst solle die gesellschaftlichen Verhältnisse und Mißstände spiegeln. Was in der Verpackung der Freiheit der Kunst daherkommt (bzw. gerne so verkauft wird) entpuppt sich beim näheren Hinsehen als ihre größte Freiheitsberaubung.

Denn so lange sich die Kunst auf gesellschaftliche Zustände bezieht, bleibt sie in diesen gefangen. Ein größerer Entwurf, der unabhängig von Moden und gesellschaftspolitischen Entwicklungen Bestand hat, wird erst möglich, wenn einem  diese egal sind. Und weil Kunst in Wirklichkeit anarchistisch und wild ist, ist sie natürlich gefährlich für jeden, der seine Existenz darauf aufgebaut hat, von der Oberflächlichkeit und dem Materialismus der Menschen zu leben.

Dem Künstler wird also suggeriert, seine größte Freiheit sei die, der Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten. Und so verliert er in Wirklichkeit seine größte Freiheit, nämlich die, sich überhaupt nicht um den gegenwärtigen Zustand der Gesellschaft zu kümmern und stattdessen zeitlos gültige Alternativen aufzuzeigen.

Ich kann nur über das sprechen, was für mich gilt, und das ist: Kunst soll Alternativen aufzeigen, Kunst – und gerade die Musik, die uns am unmittelbarsten berührt – kann den Menschen zeigen, was möglich ist, wie man auch leben kann. Musik kann den Menschen zeigen, daß sie an ihren Träumen nicht vorbei kommen, sie kann tiefe spirituelle Erkenntnisse vermitteln, sie kann zeigen, daß die Liebe die große Kraft ist, die alles auf der Welt zusammen hält. Und weil sie das kann, muß bzw. sollte sie das auch.

Musik ist eine heilende Kraft, und in diesem Sinne verstehe ich meine Rolle als Musiker und als Künstler.